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Jens Mastnak

In der King’s German Legion

Die Briefe der Brüder Carl, Ernst,
Friedrich und Ivan von Hodenberg (1803-1815)

Vier Brüder der hannoverschen Familie von Hodenberg traten zwischen 1803 und 1805 der King’s German Legion in England bei, die die britische Armee seit 1803 im Widerstand gegen Napoleon unterstützte. Sie blieben mit ihren Eltern in Grethem (Niedersachsen) durch einen regen Briefverkehr verbunden. Ein Großteil dieses Schriftwechsels hat sich erhalten. Von Kopenhagen bis Madrid, von Gibraltar bis Rügen beschrieben sie Orte, Landschaften und ihre persönlichen Erlebnisse als Offiziere im Dienst der britischen Krone.

Erstmalig liegt hier eine wissenschaftliche Edition von Briefen vor, die Angehörige der King’s German Legion während ihres Dienstes für das Vereinigte Königreich verfasst haben. Auf der Grundlage einer buchstabengetreuen Transkription werden die Briefe erläutert, genannte Personen identifiziert und die geschilderten Begebenheiten historisch eingeordnet.

Dr. Jens Mastnak ist Leiter des Stadtarchivs Lehrte. Er studierte Geschichte und Politische Wissenschaften in Hannover und promovierte mit einer Untersuchung über die Lebenswirklichkeit von Soldaten in der King’s German Legion. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Hannoversche Militärgeschichte von 1618 bis 1866 und die Antinapoleonischen Kriege. Er ist Mitglied des Arbeitskreises Hannoversche Militärgeschichte und veröffentlichte unter anderem die Quellenedition eines Tagebuchs aus dem Siebenjährigen Krieg sowie weitere regionalgeschichtliche Untersuchungen.

Keine Institution verkörpert die menschliche Seite der anglo-hannoverschen Personalunion so sehr wie die [Königlich Deutsche] Legion. [...] Die von Jens Mastnak herausgegebene Edition [...] setzt sich vom bestehenden Quellenkorpus erfrischend ab. Mastnak, ein ausgewiesener Legionsexperte, hat 86 bis jetzt größtenteils unveröffentlichte Briefe zusammengetragen, welche ein ungeschminkteres und facettenreicheres Bild der napoleonischen Kriege zeichnen als die älteren Ego-Dokumente. [...] Eine [...] Stärke des multiperspektivischen Ansatzes liegt in den Einsichten, die er in die soziale Einbettung des Individuums in soziale Netzwerke gewährt. [...] Man folgt gespannt den superben selbstironischen Abenteu[e]rerzählungen Carls, sympathisiert mit den Bemühungen der Brüder, einander über lange Distanzen beizustehen, und trauert, als die zwei Ältesten nacheinander bei Schiffsunglücken umkommen. [...] Kurz, dem Band gelingt ein tief bewegendes Grppenporträt, das besser als individuelle Ego-Dokumente zeigt, wofür und für wen Veteranen mehr als zehn Jahre gekämpft haben. Jasper Heinzen, York, Historische Zeitschrift, Band 318, Heft 1 (2024), S. 211ff.

Mastnaks ungekürzte Edition ist [...] nicht nur eine Erweiterung bereits edierter Briefe von Angehörigen der KGL. Die Bestände der Brüder von Hodenberg stechen als zusammenhängendes Konvolut hervor, das eine bemerkenswerte Einsicht in die Alltags- und Schlachtenerfahrungen in der KGL, die Wahrnehmungen des Fremden durch die Brüder auf den Feldzügen, politische Umstände, die allgemeine Kriegsführung während der Napoleonischen Kriege und die Organisation der KGL bietet. [...] Die Briefe sind chronologisch geordnet, wobei jedes Jahr ein eigenes, mit einer Einleitung versehenes Kapitel darstellt. Eine Ausnahme bilden die Jahre 1808 bis 1812 [...]. Die jeweiligen Kapitel werden mit einem Überblick über die politischen und kriegerischen Entwicklungen eingeleitet, der jeweils unter dem Motto eines Zitats aus den Briefen steht. Auf diese Weise ordnet Mastnak sie geschickt in ihren allgemeinen Entstehungskontext ein. Dazu bindet der Verfasser auch weitere zeitgenössische Selbstzeugnisse ein [...]. Diese positiv hervorzuhebende Einbindung [...] ermöglicht eine ergänzende Einordnung der dann folgenden Briefe sowie vertiefende Einblicke in die Erfahrungswelt der Teilnehmenden der Napoleonischen Kriege. [...] Insgesamt legt Mastnak hier [...] eine hervorragende Edition eines Quellenbestands vor, der vielfältige Anknüpfungspunkte für die Militärgeschichte der Frühen Neuzeit über die Geschichte der King’s German Legion hinaus bietet. Sarah von Hagen, Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung e.V.

Neben einer einleitenden archivalischen Überlieferungsgeschichte und einer behutsamen wie gewissenhaften Kommentierung der Texte in Fußnoten besteht der Wert der Briefe in persönlichen Bemerkungen zu Kameraden und Vorgesetzten, eigenem Befinden, geschildert jeweils in Briefen an die Eltern. Die in Selbstzeugnissen typischen Befindlichkeiten werden hier zudem, von Rezipierenden und Forschenden oft gesucht und nur selten gefunden, ausgebreitet und publik gemacht, offen bekannt. [...] auch interkulturelle Beobachtungen lassen sich zuhauf in den Briefen auffinden, etwa, wenn über die irritierenden Gebräuche oder die fremden Sprachen der jeweiligen militärischen Einsatzorte, so in Portugal, textliche Sittenbilder entworfen wurden, freilich auch solche pejorativer Art (Seite 287). Gleichwohl sind die (jeweils in anderer Schriftart der besseren Unterscheidung halber) annotierten Briefabschriften ein einmaliges Zeugnis adelig-militärischer Erinnerungskultur und Erfahrungsgeschichte, die den „trockenen“ Zahlen und Fakten das persönliche Erleben und Empfinden der Hodenberg-Gebrüder an die Seite stellt, dabei versehen mit solch einer immensen Fülle von Daten zu den weiteren Offizieren der Legion. Claus Heinrich Bill, Institut Deutsche Adelsforschung

Die Publikation wurde von der VGH Stiftung und von der Landschaft des vormaligen Fürstentums Lüneburg gefördert.